Wenn ich auf das Datum meines ersten Ponyhof- Strips schaue, sehe ich, dass es jetzt fast ein Jahr her ist, seitdem ich beschlossen habe meinen eigenen Webcomic zu starten.
Zeit sich einem Thema zu widmen, was vielen Webcomic-Kollegen unter den Nägeln brennt.
Lässt sich mit einem Webcomic in Deutschland Geld verdienen?
Um es direkt mal zu beantworten: Ich weiß es nicht!
Ich kann nicht für die anderen Webcomicmacher sprechen, die teilweise ganz andere Modelle haben, wie z.B. David Boller mit Zampano, der ein Webcomic- Magazin mit mehreren Comics betreibt oder Arne Schulenberg, der auf Union der Helden einen Fotocomic präsentiert oder auch Kollege David Malambré, der auf seiner Demolitionsquad- Seite neben dem Comic noch Podcasts und Besprechungen rund zum Thema Videospiele anbietet.
Es gibt so viele unterschiedliche Modelle wie es unterschiedliche Comics gibt und ich kann in diesem Fall nur von meinen Erfahrungen berichten.
Zuerst möchte ich die Frage beantworten: Warum will ich eigentlich mit meinem Webcomic Geld machen? Klingt erst mal nach einer simplen Frage, aber ich möchte sie trotzdem so eindeutig wie möglich klären.
Bei mir ist der Grund folgender: Ich möchte den Webcomic weitermachen. Ich möchte das machen, was ich am Liebsten mache und alberne Tiere zeichnen und gute Geschichten erzählen. Dazu braucht man Zeit. Und Geld. Ich habe meine Illustrationsjobs bis auf einen reduziert im letzten Jahr, komme damit noch über die Runden und widme ca. 70% meiner Arbeitszeit dem Ponyhof. Ich will hier gar nicht anfangen solche Worte wie “Existenzminimum” o.ä. zu gebrauchen, denn die Situation habe ich mir ja selber so ausgesucht. Also, no jammering around! Ich erwarte keinen Gewinn, aber ich würde mich sicherlich nicht beschweren, wenn der Ponyhof eines Tages tatsächlich etwas abwirft.
Also, was für Möglichkeiten gibt es für Webcomicmacher ihre kreativen Früchte zu Geld zu machen?
1.) Stichwort Werbeplätze
Wie Ihr seht, benutze ich auf meiner Seite sowohl Project Wonderful, als auch Google Ads. Die beiden System funktionieren unterschiedlich. Während bei Google Ads einfach Werbepartner Werbeplätze kaufen, werden die Werbeplätze bei Project Wonderful an den Meistbietenden verkauft. Ich persönlich habe schon Summen in dreistelliger Höhe für das Bewerben meines Comics durch Project Wonderful ausgegeben. Und das funktioniert sehr gut. Ich habe dadurch einige bleibende Leser gefunden. Idealerweise sollte es so laufen, dass die Einnahmen durch meine vergebenen PW- Werbeplätze die Ausgaben decken. Ich kenne Leute bei denen das funktioniert. Allerdings wohnen die in den USA. Seit kurzem hat Project Wonderful ein sogenanntes Geotargeting eingeführt, was die Werbeplätze noch mal in verschiedene Regionen unterteilt (USA, Kanada, Europa und Rest der Welt). Dadurch gebe ich persönlich etwas weniger für Werbung aus (weil sie gezielter ist), nehme aber auch deutlich weniger ein.
Google Ads betreibe ich jetzt seit Mitte November und bin derzeit bei ca. 16 Euro Einnahmen. Ab 70 Euro gibt es eine Auszahlung und danach werde ich diesen Versuch auch beenden. Ich denke nicht, dass diese Peanuts rechtfertigen, dass die Augen meiner Leser die 5000. Anzeige einer illustren Partnerbörsen ertragen müssen. Ich werde danach mal versuchen gezielt nach passenden Werbepartnern zu suchen, denen ich einen selbstgestalteten Bannerplatz anbiete.
Mein Fazit zu Werbeplätzen: Wenn man keine Seite mit einer sehr hohen Besucherzahl ist, lohnt sich der Aufwand kaum.
2. ) Premium Content
Aufmerksamen Betrachtern ist es vielleicht aufgefallen, dass ich vor einer Weile das Premium Content – Widget von der Seite genommen habe. Dadurch war es möglich exklusive Inhalte (Extracomics, Making Ofs, Skizzen usw.) vom Ponyhof gegen einen kleinen Betrag zu abonnieren. Anbieter dieses Services ist das amerikanische Unternehmen Assetbar. Nun ist es so, dass ich weder genügend Zeit noch genügend Material hatte, das ich regelmäßig dort posten konnte. Ausserdem war Assetbar öfters mal nicht erreichbar . So, jetzt habe ich ca. 20 Dollar eingenommen, die ich gerne abheben würde. Und Schock, was sehe ich? Um da dran zu kommen, muss man für die amerikanische Steuerbehörde das Formular W- 8BEN Certificate of Foreign Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding ausfüllen und mitsamt einer Kopie des Ausweises an Assetbar schicken. Tja, hätte ich mal früher draufschauen sollen was? Ehrlich gesagt, ich kann das Formular nicht ausfüllen, ich bin nicht sooo ahnungslos, was Steuern&Co. angeht, aber DAS ist echt zu kompliziert für mich.
Es gibt Webcomics wie z.B. das wunderschöne Sandra und Woo, das bei einer kleinen Spende durch Paypal Wallpaper als Dankeschön zur Verfügung stellt. Auch eine Art kleiner Premium Content, nur wesentlich weniger kompliziert für beide Seiten.:)
Mein Fazit zu Premium Content bei Assetbar: Wenn Ihr regelmäßig Inhalte liefern könnt und wenn Ihr einen schlauen Amerikaner kennt, der Euch das Formular ausfüllt, könnte es durchaus mehr bringen als Werbeplätze.
Das war der erste Teil meines Kunst&Kommerz- Blogeintrags.:)
Nächste Woche widme ich mich noch den Punkten Online- Shops, Messeverkäufen und Printveröffentlichungen…
Mit anderen Worten, das Gels das “wir” da für den Ponihof Premium einbezahlt haben ist für dich verloren, und fliesst stattdessen in die Kassen eines Amerikanischen Unternehmens – das ist Bitter, das war nicht ganz so gedacht
Ja, das wäre sehr sehr blöde. Ich frage mal amerikanische Freunde, ob die mir bei dem Formular helfen können. Vielleicht gibts ja noch Hoffnung!:)
Und dann kommt das deutsche Finanzamt mit dem nicht weniger kryptischen Formular “Ausländische Einkünfte” – Da hab ich immer draufgeschrieben “Liebe Leute, ich hab keine Ahnung was man da ausfüllt, machts bitte selber”…
Na, ich denke mal der wichtigste Punkt beim Geldverdienen mit seinen eigenen Webcomics ist die Unabhänigkeit von irgendwelchen Verlagen.
Was natürlich den Nachteil mit sich bringt, für die Einkünfte selber sorgen zu müssen.
Hast du auf deiner Seite eigentlich die Möglichkeit untergebracht, dir etwas zu spenden?
Das habe ich schon auf einigen Webcomic Seiten gesehen z.B. hier http://www.reallifecomics.com/
Ich glaube dass ein Webcomic dann erfolgreich ist, wenn es regelmäßig zum ansurfen einläd.
In meinen Augen klappt soetwas nicht mit zu langen Geschichten, wie etwa bei http://www.eriks-deae.de wo man zu lange auf Updates wartet und sich immer wieder ins geschehen hinein finden muss.
Das lese ich einmal am Stück und dann wieder Monate lang nicht.
Besser finde ich Sitcom änliche Konzepte.
Daher finde ich deine Idee mit der verrückten WG z.B. sehr gut.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass du in kürze auf nen grünen Zweig kommst! Und uns noch lange mit deinen Geschichten unterhältst!
Kleiner Nachtrag zu Assetbar: Der allerbeste Herr Steve Kups hat mir beim Formular geholfen und es schien gar nicht so schwer wie es aussah. Jetzt muss ich das nur mitsamt einer Ausweiskopie mailen und hoffe, dass es dann klappt!
@Geier: Ich denke, dieses kryptische Formular werde ich bei den 20 Dollar Einkünften mal, ähem, “überspringen”…
@Freier Fall: Ja, mit der Unabhängigkeit sprichst Du natürlich den besten Punkt an. Wie Du schon meintest, bedeutet das auch mehr Eigenverantwortung.
Was den DONATION- Button angeht, hatte ich den vorerst von der Seite genommen, da es auch hier wieder steuerrechtliche Fragezeichen gibt. Ich würde gerne als Gegenleistung für eine Spende über PayPal ein kleines Dankeschön (z.B. ein Wallpaper) anbieten. Diese Gegenleistung (eigentlich Schenkung) könnte den Sachverhalt einer “Spende” aber gefährden. Und auch die Einkünfte DARAUS müsste ich steuerlich geltend machen. Das muss ich mir deshalb noch mal genau überlegen…
Eriks Deae haben ja eher das Konzept eines monatlichen erscheinenden Heftes. Ist sicher ein komplett anderes Modell. Ob das funktioniert, weiß wohl nur Erik selbst. Jedenfalls hat er dadurch einen Auftrag für einen langen Comicband bekommen von einem Verlag. Insofern hats ja was gebracht.:)
Danke für die Wünsche. Der Ponyhof geht weiter. Ob grüner oder kahler Zweig!:)
Hast du schonmal über Fanartikel bei Spreadshirt oder andere OnDemand-Anbieter nachgedacht? Gibt bestimmt Leute, die sich ein Mauspad, Button, Postkarte oder sonstwas mit Ponyhof-Motiven kaufen würden, um dich zu unterstützen. Dazu müssen nur die Motive was hergeben.
Yep! Manchmal ist es besser die Klappe zu halten…
Trotzdem ist mir noch was eingefallen. 20Dollar sind knappe 15€, jetzt schickste denen nen Brief mit Formular+Kopie (1,70€), dann kommt ne Auslandsüberweisung das kostet auch Gebühren. Und dann ist es eine Fremdwährung, da verlangt zumindest meine Bank zusätzlich eine (nicht geringe) Mindestpauschale, wenn dann auch noch das Finanzamt zulangen würde… Ich bin echt neugierig was da übrig bleibt – und deine weiteren Erkenntnisse zum Thema “Reich+Schön durch Webcomics”.
@Geier: Achso, Formular&Kopie sind zumindest per Mailform einreichbar. Das wäre also noch okay. Aber man sollte schon im Blick haben, was da für zusätzliche Kosten anfallen.
Wie gesagt, die 20 Euro hatte ich schon durch 2 Abonnenten. Wenn ich mehr reingekniet und ein Konzept dafür hätte, ginge da vielleicht schon noch was mehr…
Ich bin auf den Webcomic eher zufällig gestoßen, über einen direkt Link von “Project Wonderfull”.
Ansprechend für mich, für den klick, war btw das schön gestalltete Banner.
Seitdem bin ich treuer Leser.