hässliches, hässliches, hässliches Thema. Aber leider ein sehr Lebensnahes. Ich kann jetzt schon sagen, dass es Kommentare unter dem Comic geben wird, die z.B. auch festhalten wollen, dass Männer belästigt werden (was natürlich auch dramatisch ist) und dass nicht alle Männer überrascht sind usw., aber, hey, nehmen wir einfach mal an, ich weiß das alles und gestalte meine Comics so, wie sie dramaturgisch für mich am Besten funktionieren…

Zurück zum hässlichen Thema. Vor ein paar Jahren kam das Thema der sexuellen Belästigung in der amerikanischen Comicszene auf und bald danach kam es auch zu der Frage, ob es in Deutschland ähnliche Vorfälle gibt. Ich habe zunächst großspurig verneint, bis mir abends das Thema noch mal durch den Kopf ging. Erst fiel ein Groschen, dann ein zweiter… Bis das Erlebte so dermaßen schmerzhaft auf meinen Kopf niederprasselte, dass ich mich erstmal sammeln musste. 

Von Leuten, die angaben mir in meiner Laufbahn helfen zu wollen und am Ende mehr erwarteten, Zeichnerkollegen, die Komplimente für ihre Arbeit als Zeichen auffassten, dass ich mehr von ihnen wollte, Portfolioreviews mit Redakteuren, die mir sexuell aufgeladene Sprüche und für die Situation völlig unangebrachte Flirtversuche entgegenschleuderten, Händler, die mich begrabbelten, komische Comicveranstaltungshelfer, die einen ungefragt auf den Nacken küssen, Leser, die grenzüberschreitende pornöse Signierwünsche formulieren, die mein gezeichnetes Alter Ego miteinbeziehen, mich von weiter weg unentwegt anstarren oder meine Freundlichkeit am Stand mit romantischem Interesse verwechseln usw. 

Das Problem existiert und ich bin mit Sicherheit auch nicht die einzige Zeichnerin, die das betrifft. Und eins der dicksten Probleme ist, dass sich einige immer als die Ausnahme sehen. Ganz nach dem Motto des einen Händlers, der mir auf einer Messe plötzlich von hinten unters T-shirt fasste: “Ich dachte, ich darf das.”…

Und selbst enge Freunde fielen aus allen Wolken, wenn ich solche Vorfälle schilderte. Vorfälle, die für mich so “normal” geworden sind, das ich selbst einige Zeit brauchte, um zu erkennen wie sie mich bewusst oder unbewusst negativ beeinflusst haben. Alles in allem ein Zeichen dafür, dass wir dieses Problem teilweise noch nicht ernst genug nehmen. Umso wichtiger finde ich es, dass man sich darüber austauscht. Gerade auch, um Anderen bewusst zu machen, dass sie nicht allein sind damit.

Hässliches Thema, aber das musste auch mal raus. 

Ich wünsche Euch noch eine schöne Woche und danke, dass Ihr bis hierhin gelesen habt.